Diese Thema-Seite ist gewidmet Stanislaw Petrow, 1939 – 2017, der am

7. September 80 Jahre alt geworden wäre.

 

Ist eine Welt ohne Atomwaffen möglich?

 

Die Welt war schon immer ohne Atomwaffen, bis zum 16. Juli 1945, als die erste Atombombe in der Wüste von New Mexico erfolgreich getestet wurde. Allerdings war die Welt davor alles andere als friedlich, wie uns die Geschichte lehrt. Seit den Abwürfen auf Hiroshima und Nagasaki, nach drei Wochen, wurden Nuklearwaffen nicht mehr militärisch eingesetzt. Bis heute fanden aber mehr als 2000 Atomwaffentest statt, zu denen man Hiroshima und Nagasaki ebenfalls zählen müsste. Offiziell werden diese beiden Kriegseinsätze bis heute als militärisch notwendig erklärt, um den Krieg zu beenden, was bei genauer Betrachtung mehr als zweifelhaft erscheint.

 

Da es seit 1945 keinen weiteren Weltkrieg mehr gegeben hat, wird die Atomrüstung von ihren Befürwortern als erfolgreiche Friedenssicherung durch Abschreckung angesehen. Dabei wird ausgeklammert, dass während des Kalten Krieges unzählige Stellvertreterkriege, angefangen 1950 mit dem Koreakrieg, tobten, die man zusammen genommen durchaus als inoffiziellen Dritten Weltkrieg betrachten kann. Das setzt sich bis heute fort. Auch stand die Menschheit schon mehrmals am Abgrund. Man denke nur an die Kubakrise von 1962. Es kam immer wieder zu Situationen, in denen um Haaresbreite versehentlich ein Atomkrieg ausgebrochen wäre. Davon zeugt beispielhaft die Geschichte von Stanislaw Petrow, dem Mann, der 1983 die Welt rettete.

Auch wenn die Gefahr eines Atomkrieges aus Versehen heute weitestgehend gebannt ist, wünscht sich jeder vernünftige Mensch eine Welt ohne Atomwaffen. Diese Welt muss auch unbedingt kommen, will man die Menschheit vor der Selbstvernichtung bewahren. Albert Einstein, Bertrand Russell und weitere Wissenschaftler unterzeichneten 1955 ein Manifest, welches eindringlich auf die Gefahren und möglichen Auswirkungen eines Nuklearkrieges hinweist. Es gibt inzwischen eine Vielzahl wissenschaftlicher und politischer Deklarationen, die in ähnlicher Weise versuchen, die nationalen Regierungen der Welt davon zu überzeugen, auf Massenvernichtungswaffen zu verzichten und abzurüsten.

 

Atomwaffenfreie Welt – und was dann?

 

Jedes Jahr wird weltweit den Opfern der Atombombenabwürfe von Hiroshima (6. August 1945) und Nagasaki (9. August 1945) gedacht. Sie sollten auch nie in Vergessenheit geraten, denn das Ausmaß der dadurch verursachten Verwüstungen sprengten alle bis dahin vorhandenen Vorstellungen. Also ist es absolut richtig, dass man sich gegen jegliche atomare Bewaffnung sträubt, denn die Risiken sind einfach zu gigantisch. Mit etwas Zynismus könnte man es so ausdrücken: Die gegenwärtigen Kriege mit konventionellen Waffen sind harmlos dagegen.

Hiroshimas Bürgermeister Matsui forderte 2016 die Welt auf, sich zu vereinen, um alle Nuklearwaffen abzuschaffen. Er findet dafür rund um den Globus Amtskollegen, die ihn dabei unterstützen: Mayors for Peace. Das sind inzwischen über 7000 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die ihre Städte und Gemeinden in diesem globalen Friedensbund vertreten. Es erweckt Hoffnung wenn man erfährt, wie viel Zustimmung dem Wunsch nach einer atomwaffenfreien Welt zuteil wird. Vielfältige Friedensaktionen zeugen davon und seit 2017 existiert sogar ein völkerrechtlich verbindlicher Atomwaffenverbotsvertrag. Der daran maßgeblich beteiligte Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) wurde im selben Jahr der Friedensnobelpreis zugesprochen.

Wie realistisch ist dieser Wunsch nach einer atomwaffenfreien Welt? Man kann Teilerfolge erzielen, wenn Atomwaffen von bestimmten Standorten abgezogen werden und atomwaffenfreie Zonen entstehen. Eine atomwaffenfreie Welt ist jedoch unter den gegenwärtigen Umständen eine Utopie. Selbst wenn alle vorhandenen Atombomben verschrottet werden, bleibt das Wissen über die Herstellung solcher Massenvernichtungsmittel in der Menschheit bestehen und kann jeder Zeit wieder zur Aufrüstung genutzt werden. Um das Ziel einer globalen atomaren Abrüstung überhaupt erreichen zu können und diesen Stand dann zu halten, bedarf es tatsächlich der Vereinigung der Welt (Bürgermeister Matsui).

 

Vereinigung der Menschheit ist Voraussetzung

 

Es ist wie bei allem so: Wenn man die erreichten Ziele nicht absichert, können die Ergebnisse aller Bemühungen über Nacht zunichte gemacht werden. Wir brauchen dafür ein echtes Weltrecht. Das gegenwärtige Völkerrecht ist dafür zu schwach.

Siehe als Beispiel den INF-Vertrag zur Abrüstung von nuklearen Mittelstreckenraketen von 1987. Es hatten damals um die Zukunft besorgte Menschen über Jahre zu Hunderttausenden gegen die Stationierung dieser, durch ihre kurzen Vorwarnzeiten extrem gefährliche Gattung von Massenvernichtungswaffen demonstriert. Die politischen Führer der beiden großen Machtblöcke, Gorbatschow und Reagen, ließen schließlich Vernunft walten. Heute wird das alles von einem umstrittenen US-Präsidenten mit einem Federstrich hinweg gewischt. Die ersten neuen amerikanischen Marschflugkörper werden bereits getestet. Russlands Präsident Putin kündigt darauf eine „symmetrische Antwort“ an. So wird das Wettrüsten erneut symmetrisch hochgeschaukelt und die Gefahr eines dritten Weltkrieges – schon fast vergessen – wieder real.

 

Wer ernsthaft für eine atomwaffenfreie Welt eintreten will, muss sich auch gegenüber der positiven Utopie einer demokratischen Weltunion mit verbindlichem und durchsetzbarem Weltrecht öffnen. Dieses Weltrecht müsste schon den Versuch der Herstellung von Massenvernichtungswaffen oder in deren Besitz zu gelangen unterbinden und als Weltverbrechen unter Strafe stellen. Es gibt dazu bereits konkrete Zwischenziele. Wer von all den vielen Friedensbewegten, die sich für eine atomwaffenfreie Welt stark machen, wer von den „Bürgermeistern für den Frieden“ ist bereit, die Option einer demokratischen Weiterentwicklung der Vereinten Nationen zu unterstützen, um Kriege unmöglich zu machen?

 

In eine bessere Zukunft in Frieden, Freiheit und Sicherheit führt an der demokratischen Weltunion kein Weg vorbei.